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Schlecker schleicht sich aus dem Tariflohn

18.06.09 (Allgemein)

schlecker1.jpgDer oberschwäbische Drogeriekonzern Schlecker hat sich – was die Behandlung seiner MitarbeiterInnen angeht – noch nie öffentlich mit Ruhm bekleckert. Schon 1998 hatte das Amtsgericht Stuttgart gegen Anton und Christa Schlecker sowie einige leitende Mitarbeiter mehrere Strafbefehle erlassen, weil das Unternehmen seinen MitarbeiterInnen jahrelang fälschlich eine tarifliche Bezahlung vorgegaukelt hatte.

So steht es in einem Artikel der Zeitung Altmühl-Bote von Berit Schmidt (dpa). Damals erkämpfte die damalige Gewerkschaft HBV nach Angaben der Ver.di Publik erfolgreich den Tariflohn.

Diese Erfolge könnten bald wieder dahin sein. Schlecker strukturiert um. 4000 Filialen mit Umsätzen unter 24.000 € droht – so schreibt es Ver.di Publik – die Schließung – 12.000 Beschäftigte könnten dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren. An die Stelle dieser kleinen vielen Filialen treten Großläden im XL-Format.

- XL-Läden bedeuten keine XL-Löhne -

Angeblich will Schlecker mit dem neuen Konzept „Frische und Moderne zeigen“, wie Marketingleiter Volker Schurr es ausdrückt. Ver.di vermutet darin eher einen Schritt in Richtung Tarifflucht und Lohndumping. Denn: Die XL-Sparte stellt sich als eigenständiges Unternehmen dar, so dass Beschäftigte keinen Anspruch haben sollen, ihre derzeitigen Arbeitsbedingungen zu behalten. Betroffene MitarbeiterInnen der von Schließung bedrohten Filialen könnten sich beim neuen Unternehmen bewerben, tröstet ein Schlecker-Sprecher. Aber welche Bedingungen gelten dann? In den XL-Läden gilt der Anerkennungstarifvertrag bisher nicht. Auch bieten die Großfilialen, so Ver.di Publik, nur befristete Arbeitsverträge an, die Stundenlöhne sollen sich nur noch halb so hoch wie vorher zwischen 6,50 € und 8 € bewegen.

Mit dem Gesamtbetriebsrat spielt die Geschäftsführung Versteck. Nach eigenen Angaben müssen sich die Betriebsräte alle Informationen aus anderen Quellen besorgen und aus Einigungsstellen erstreiten. Der Gesamtbetriebsrat weiß, dass es weitere Schließungen geben wird, aber die näheren Umstände bleiben vor der Arbeitnehmervertretung geheim.

- nur für MitarbeiterInnen: abgelaufene Ware zum vollen Preis -

Lohndumpig, ständige Angst vor Arbeitsplatzverlust, dies kommt nun noch zu den Arbeitsbedingungen der Schlecker-MitarbeiterInnen hinzu, die, führt man sich die Informationen des österreichischen Blogs ArbeitsKlimaWandel zu Gemüte, ArbeitnehmervertreterInnen gruseln lassen. Das Blog beruft sich auf eine Befragung der österreichischen Schlecker-Beschäftigten durch die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp). Einseitige Anordnung der Arbeitszeit, jederzeitige Bereitschaftspflicht zu Mehrarbeit und Herabsetzung der vertraglichen Wochenstunden ohne Abstimmung mit den Beschäftigten seien nach Angaben der Befragten an der Tagesordnung. Was aber nahezu unglaublich klingt, ist, dass MitarbeiterInnen angaben, dass sie nach Verlassen der Filiale kontrolliert wurden und vom Unternehmen unter Druck gesetzt wurden, abgelaufene Ware zum Vollpreis zu erwerben!

Eine positive Seite hat die Geschichte allerdings. Ver.di Publik berichtet von einer Solidarität der KundInnen mit den Schlecker-MitarbeiterInnen. In der Einbeziehung von Kunden in künftige Aktionen sieht auch die Berliner Betriebsratsvorsitzende Katrin Wegener einen Weg, die Beschäftigtenrechte zu schützen. Solche Kommunikation mit der Kundschaft zeigt, dass Schlecker-MitarbeiterInnen keineswegs allein sind, und es sei nicht zu vergessen, VerbraucherInnen haben eine Macht, Unternehmensbenehmen zu beeinflussen, mehr als sie sich vielleicht manchmal bewusst sind.

von afuh

Textquellen:

Ver.di Publik

Altmühl-Bote

Blog ArbeitsKlimaWandel

GPA-djp.at

Fotoquelle:

DGB Bildungswerk

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2 Kommentare

  • 1
    Florian Büchner:

    Da hilft weiterhin nur die Auswahl der Unternehmen, zu denen wir auch als Kunden und Kundinnen in Beziehung stehen – also der Einkauf bei dm, wo auf Sozialstandards geachtet wird, statt bei Schlecker! Und die Hoffnung, dass mit den Umsätzen die Beschäftigten von asozialen zu sozialpartnerschaftlichen Betrieben wandern können…

  • 2
    Finanznachrichten.info:

    35 Jahre Schlecker – und ein überraschender Rückzug im Jubiläumsjahr…

    Wohl kaum ein Unternehmer ist in Deutschland so umstritten wie Schlecker und auch kein Unternehmen dieser Größenordnung steht so unter der Alleinherrschaft eines einzigen Mannes. „Alleininhaber ist Anton Schlecker, der eigenständig über die Strategie u…

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