Betriebsratsblog des DGB Bildungswerks

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12 Betriebliche Konfliktberater erreichen Universitätszertifikat

22.06.09 (Allgemein, Mediation, Mobbing)

p1020659.jpgEinen großen Erfolg können 12 Betriebsratsmitglieder aus unterschiedlichen Branchen und Unternehmen für sich verzeichnen: Sie erwarben im Rahmen einer Weiterbildung zum „Betrieblichen Konfliktberater“ ein Universitätszertifikat. Nach feierlicher Präsentation der Projektarbeiten am Zentrum für Personalforschung am Department für Wirtschaft und Politik der Universität Hamburg fand am Freitag die Abschlussveranstaltung im DGB-Tagungszentrum Hamburg Sasel statt.

Linda Godry ist stolz auf sich – und das zu Recht. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Bayer CropScience – einem Unternehmen der chemischen Produktion mit Standort in Frankfurt – verfügt über eine technische Ausbildung und hatte bisher keine Kontakte mit psychologischen Themen. Das hielt sie nicht davon ab, die Weiterbildung zum/r Betrieblichen Konfliktberater(in) zu absolvieren und an zwei Wochenenden eine mehr als 20seitige Projektarbeit zu schreiben. „Ich hatte die volle Unterstützung meines Betriebsratsgremiums und meines Unternehmens“, so Linda Godry. „Das war ein großer Ansporn für mich, eine qualitativ hochwertige Arbeit abzugeben“.

- volle Unterstützung vom Unternehmen -

Linda Godrys Projektarbeit hatte zum Thema: „Konflikte aufgrund der demografischen Entwicklung in chemischen Produktionsbetrieben anhand eines Beispiels“. „Altersteilzeit war bei uns bisher ein Modul, Personalabbau zu betreiben“, erzählt Linda. „Die MitarbeiterInnen sind mit 57 Jahren aus dem Unternehmen ausgeschieden. Durch die Rentenanpassung und das Auslaufen der Altersteilzeit müssen die Leute bald 10 Jahre länger im Betrieb arbeiten und das unter harten Bedingungen wie hohen Temperaturen, unter Atemschutz, in Vollschutzanzügen und in Schichtarbeit“. Deswegen sei es so wichtig, dass das Unternehmen in dieser Hinsicht sensibilisiert werde. „Die Produktionsleitung und der Werksarzt sind sehr interessiert an meiner Arbeit“, sagt sie.

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von links: Herbert Keller, Linda Godry und Werner Leidhardt

Auch Herbert Keller, Betriebsrat der nora systems GmbH, und Werner Leidhardt, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei der Schaeffler KG haben die Weiterbildung erfolgreich absolviert. Werner Leidhardt war vor allem von der systematischen Herangehensweise beim betrieblichen Konfliktmanagement beeindruckt. „Bisher waren Konflikte immer sehr negativ belastend, erzählt er. „Hier haben wir Werkzeuge an die Hand bekommen, wie man professionell an eine Situation herangeht, um den Konflikt letztlich als etwas Positives zu begreifen“. „…und mit einer win-win-Situation aus dem Geschehen herauszugehen“, ergänzt Herbert Keller. Sein Thema der Projektarbeit war „Konfliktmanagement bei Produktivitätssteigerung im Industriebetrieb“. Das Thema ist bei uns jeden Tag präsent“ erzählt der Informatiker. „Die Geschäftsführung braucht die Produktivitätssteigerung, um am Markt weiter konkurrenzfähig zu sein. Hier gilt es immer zu beachten, dass die Mitarbeiter dabei nicht in ihren gesundheitlichen Interessen beeinträchtigt werden“.

- Lob von den Professoren -

Aus der Universität Hamburg gab es großen Beifall für die 12 gelungenen Projektarbeiten. Die Arbeiten seien besser als das, was manche Studenten abgeben, hieß es seitens der das Projekt begleitenden Professoren Dr. Udo Mayer und Dr. Florian Schramm. Auch bestehe Interesse, aus den Projektthemen einmal eine Examensarbeit zu machen.

- Ein Follow-up wird kommen -

Freude über die gelungene Weiterbildung zeigten auch die leitenden ReferentInnen Simone Gauer und Andrea Scherz. „Wir werden hier im Tagungszentrum Hamburg-Sasel ein Angebot machen zu einem Follow-up“, erzählt Simone Gauer. „Darin kann man Inhalte auffrischen und vertiefen“. Die Pädagogin hat das Konzept der Weiterbildung entwickelt. Es enthält drei Module zur Bearbeitung der Inhalte:

1. Grundlagen der Konfliktberatung

2. Kernkompetenzen für die Einzelberatung

3. Beratung in Teamprozessen und bei mehreren Konfliktparteien

Zwei Projekttage können die Teilnehmenden zusätzlich zur Vertiefung von Themen und zur Einzelberatung nutzen. Es folgt dann eine schriftliche und praktische Projektarbeit als Teil der Zertifizierung, auf Wunsch auch eine Projektbegleitung bzw. Praxisberatung. Die Weiterbildung endet mit einem zweitägigen Abschlusskolloquium mit Zertifizierung.

„AbsolventInnen dieser Weiterbildung haben gelernt, Konflikte im Betrieb besser einzuordnen, Einzelpersonen zu beraten und zwischen mehreren Parteien zu vermitteln“, weiß Simone Gauer. Auch seien sie qualifiziert, sich an der Entwicklung eines betrieblichen Konfliktregelungssystems kompetent zu beteiligen. Ein systematisches Verfahren der innerbetrieblichen Konfliktregelung könne z.B. eine Konfliktsprechstunde sein oder die Ausarbeitung von Betriebs- oder Dienstvereinbarungen wie auch die Entwicklung eines innerbetrieblichen Weiterbildungsangebotes zu diesem Thema.

„Für jedes Betriebsratsmitglied ist diese Weiterbildung hilfreich“, resümiert Herbert Keller, denn das Wissen trage zu erfolgversprechenderen Verhandlungen bei. Was Herbert Keller, Werner Leidhardt und Linda Godry anderen Betriebsratsmitgliedern wünschen: Mut sollen sie haben, sich auch als Laie ohne Vorbildung an dieses Thema heranzuwagen! Intensive Unterstützung, zum Erfolg zu kommen, sei in jedem Falle gewährleistet.

Text: afuh

Fotos: DGB Bildungswerk

Unsere nächste Weiterbildung zum Betrieblichen Konfliktberater

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